Am Rand des Buchenwaldes, wo der Nebel morgens zwischen den Stämmen hängt wie weiche Watte, lag ein kleiner Bach. Mara kannte sein Plätschern so gut wie ihren eigenen Atem, denn sie kam fast jeden Tag hierher, um den Wasserläufern beim Tanzen über die Wellen zuzusehen.
Doch an diesem Morgen war der Bach still. Kein Glucksen, kein Gluckern, nicht das leiseste Tropfen. Mara blieb stehen und lauschte. Wo das Wasser sonst über die Steine sprang, lag jetzt nur eine traurige, glänzende Pfütze.
„Irgendetwas hält dich auf", flüsterte Mara und ging in die Hocke. Sie folgte dem trockenen Bachbett bergauf, vorbei an Farnen und moosigen Wurzeln, und schaute ganz genau hin, so wie es ihr Großvater ihr beigebracht hatte: erst sehen, dann verstehen.
Hinter der großen Wurzel der alten Buche fand sie es. Ein Wirrwarr aus Ästen, Blättern und Schlamm hatte sich quer über den Bach gelegt und das Wasser eingesperrt. Mara krempelte die Ärmel hoch. Sie wusste noch nicht, ob sie das allein schaffen würde, aber sie wusste genau, wo sie anfangen musste ...